Green HR: Nachhaltiges Personalmanagement oder Greenwashing?

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Unternehmen tragen schon lange eine gesellschaftliche Verantwortung – bekannt als Corporate Social Responsibility (CSR). Früher äusserte sich dies durch den Bau von Parks, Wohnungen oder der Unterstützung öffentlicher Verkehrsmittel. Zudem sicherten Firmen Arbeitsplätze und trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Stadt, Region oder sogar eines ganzen Landes bei. Heute sind solche Massnahmen oft gesetzlich vorgeschrieben und gehören zu den Standards eines verantwortungsbewussten Unternehmens. Doch angesichts der zunehmenden Umweltprobleme rückt Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus – sowohl für Arbeitgebende als auch für Arbeitnehmende. Hier kommt Green HR ins Spiel. Dieses Konzept beschreibt nachhaltiges Personalmanagement mit Strategien, die Mitarbeitende aktiv in umweltfreundliche Massnahmen einbinden. Dabei geht es nicht nur um ressourcenschonendes Arbeiten, sondern um die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmenskultur. Unternehmen, die Green HR ernst nehmen, setzen gezielt Massnahmen um, um ökologische Verantwortung mit der Personalstrategie zu verbinden (Scheller, 2020).
Green HR: Nachhaltigkeit trifft auf HR
Was hat Nachhaltigkeit mit Personalmanagement zu tun? Sehr viel. Der Wandel hin zu umweltbewussterem Wirtschaften ist keine Frage politischer Einstellungen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Green HR ist ein Teil der nachhaltigen Unternehmensführung und konzentriert sich darauf, umweltfreundliche Prinzipien in die Personalpolitik zu integrieren (Schüller, 2024). Dabei eröffnet Green HR eine moderne Wertediskussion innerhalb von Unternehmen. Umweltbewusstsein und nachhaltiges Handeln sollen fest in der Unternehmenskultur verankert werden. Ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit konsequent umsetzt, gewinnt nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern spricht auch gezielt Fachkräfte an, die Wert auf umweltbewusstes Arbeiten legen. Eine erfolgreiche Umsetzung beginnt mit einer durchdachten Strategie: Von flexiblen Arbeitsmodellen über nachhaltige Mobilitätskonzepte bis hin zu gezielten Weiterbildungsmassnahmen für Mitarbeitende. Das erfordert nicht nur Engagement seitens der Geschäftsführung, sondern auch einen strukturierten Ansatz, wie Green HR systematisch eingeführt werden kann (Kallenbach, 2023).
Vorsicht vor Greenwashing
Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, sondern ein entscheidender Faktor für Unternehmen. Doch gerade, weil das Thema so präsent ist, nutzen einige Firmen es lediglich als Marketinginstrument – ohne ernsthafte Massnahmen zu ergreifen. Diese Strategie, bekannt als Greenwashing, wird jedoch von vielen Menschen durchschaut und kann Unternehmen sogar schaden. Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn nachhaltiges Handeln auf allen Ebenen eines Unternehmens verankert ist. Das betrifft nicht nur Führungskräfte, sondern alle Mitarbeitenden. Unternehmen sollten daher ein echtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen, indem sie Werte diskutieren, weiterentwickeln und in der Praxis umsetzen. Green HR ist dabei nicht nur ein Werkzeug zur Ressourcenschonung, sondern ein wichtiges Element, um eine Unternehmenskultur zu gestalten, die sowohl ökologisch als auch menschlich nachhaltig ist (Jasek, 2022).
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Nachhaltigkeit zur Talentgewinnung
Um Ihr Personalwesen nachhaltig zu gestalten, ist es entscheidend, zunächst die Organisationskultur entsprechend auszurichten. Eine Unternehmenskultur, die Nachhaltigkeit integriert, fördert gelebte Werte und bietet Mitarbeitenden einen wichtigen Identifikationspunkt. Wenn sich das Personal mit diesen Werten identifizieren kann, trägt dies massgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Aktuelle Studien unterstreichen die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Arbeitnehmende. Laut dem Hiring Trends Index von The Stepstone Group legen insbesondere jüngere Generationen grossen Wert auf die Umweltstrategie eines Unternehmens. So halten 69 % der Befragten unter 30 Jahren eine Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels für wichtig. Zudem haben 38 % der Unternehmen bereits Nachhaltigkeitsinitiativen umgesetzt, während sich 22 % in der Implementierungsphase befinden. Unternehmen, die Nachhaltigkeit nicht in ihrer Organisationskultur verankern, riskieren, zukünftige Arbeits- und Fachkräfte zu verlieren oder gar nicht erst anzuwerben. Angesichts des vorherrschenden Fachkräftemangels wäre dies ein strategischer Nachteil. Mitarbeitende suchen nach Sinnhaftigkeit und Erfüllung in ihrer Arbeit, was nicht nur durch sinnvolle Tätigkeiten, sondern auch durch ein Arbeitsumfeld erreicht wird, das ihre eigenen Werte widerspiegelt (Delorme, 2024).
Mindset Coaching als Hebel für nachhaltige Veränderung
Um Green HR erfolgreich umzusetzen, braucht es mehr als Strategien auf dem Papier – es braucht ein verankertes Bewusstsein bei allen Mitarbeitenden. Genau hier setzt Mindset Coaching bzw. Sustainability Coaching an. Dieses HR-Instrument unterstützt Fach- und Führungskräfte dabei, persönliche Haltungen und Denkmuster im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Es geht darum, innere Überzeugungen mit den nachhaltigen Werten des Unternehmens in Einklang zu bringen und daraus konkrete Handlungsimpulse im Arbeitsalltag abzuleiten.
Solche Coachings fördern nicht nur individuelle Entwicklung, sondern stärken auch die kollektive Lernfähigkeit einer Organisation – ein zentraler Baustein für kulturellen Wandel. Gerade im Kontext von Green HR können gezielte Coaching-Formate dazu beitragen, Widerstände abzubauen, Beteiligung zu erhöhen und Nachhaltigkeit als selbstverständlichen Teil der Unternehmenskultur zu verankern.
Werte entwickeln, festigen und leben
Geteilte Werte und eine gelebte Unternehmenskultur sind essenziell, um eine nachhaltige Firmenphilosophie zu etablieren. Doch Werte entstehen nicht durch Vorgaben von oben. Wenn sie ohne Mitbestimmung vorgegeben werden, verlieren sie an Wirkung, wirken unglaubwürdig und finden keinen Niederschlag im Arbeitsalltag. Die Entwicklung von Werten, Normen und Leitlinien ist daher ein langfristiger Prozess, der aktiv gestaltet werden muss. Nachhaltigkeit ist dabei nicht nur ein strategisches Unternehmensziel, sondern ein zentrales Element der Personalstrategie. Diese Ziele müssen flexibel bleiben und immer wieder neu verhandelt werden (Nerdinger, 2014). Genau hier setzt Green HR an. Die Personalabteilung spielt eine Schlüsselrolle: Durch transparente Partizipation können Werte entwickelt, durch eine gelebte Organisationskultur gefestigt und schliesslich auf allen Ebenen im Unternehmen verankert werden. Nachhaltigkeit ist also nicht nur ein Thema der Unternehmensstrategie, sondern auch ein grundlegender Bestandteil moderner Personalarbeit.
Mehr Mehrwert für alle
Eine gelebte, ökologisch orientierte Unternehmenskultur bietet Vorteile für alle Beteiligten: Unternehmen verbessern ihr Image, sparen langfristig Kosten, und auch Mitarbeitende profitieren durch eine sinnstiftende Arbeitsumgebung. Kundinnen und Kunden achten zunehmend auf Nachhaltigkeit, was wiederum die Marktposition stärken kann. Und nicht zuletzt gewinnt auch unsere Umwelt. Es ist kein Geheimnis, dass Mitarbeitende, die sich mit den Werten ihres Unternehmens identifizieren und aktiv mitgestalten können, zufriedener, motivierter und gesünder sind. Die Aufgabe der Personalabteilung ist es, nicht nur Talente zu gewinnen und zu halten, sondern auch nachhaltige Werte zu vermitteln und zu verankern. Dies beinhaltet die Förderung ökologischer Prinzipien und eine ressourcenschonende Unternehmensphilosophie. Das HR-Management sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein und Green HR nicht länger als optionales Konzept betrachten – es ist an der Zeit, es aktiv umzusetzen (Jasek, 2022).
Literatur:
Nerdinger, F. W. (2014): Organisationsklima und Organisationskultur. In: Arbeits- und Organisationspsychologie (3. Aufl.). Wiesbaden: Springer.
Osranek, R. & Zink, K. J. (2014): Corporate Human Capital and Social Sustainability of Human Resources. In: Sustainability and Human Resource Management. Heidelberg: Springer.
Delorme, C. (2024, 15. Juli). Green Recruiting: Mit Nachhaltigkeit im Recruiting punkten. Stepstone. https://www.stepstone.de/e-recruiting/hr-wissen/recruiting/nachhaltigkeit-recruiting/
Scheller, S. (2020, 20. Januar). Green HRM: 40 Praxistipps für nachhaltiges Personalmanagement. Persoblogger.de. https://persoblogger.de/2020/01/20/green-hrm-praxistipps-fuer-nachhaltiges-personalmanagement
Kallenbach, I. (2023, 02. Mai). Green HR systematisch entwickeln: Wie funktioniert ein erfolgreicher Start? Reflect. https://reflect-beratung.de/green-hr-systematisch-entwickeln-wie-funktioniert-ein-erfolgreicher-start/
Jasek, H. (2022, 06. Mai). Green HRM: Wie funktioniert nachhaltige Personalarbeit? ostjob.ch. https://www.ostjob.ch/ratgeber/artikel/430/nachhaltige-personalarbeit