Lohnerhöhung: Lohnrunde unter der Lupe

Die Lohnerhöhung ist in der Arbeitswelt ein heikles Thema und führt immer wieder zu Diskussionen oder Unzufriedenheit der Mitarbeitenden. Arbeitgeber müssen faire und nachhaltige Lösungen finden und Arbeitnehmer mit überzeugenden Argumenten und kluger Vorbereitung in die Verhandlung gehen.

10.02.2025 Von: WEKA Redaktionsteam, Roland Stoll
Lohnerhöhung

Einleitung

Es herrscht ein ausgeprägter Arbeitnehmermarkt in fast allen Branchen. Kandidatinnen und Kandidaten wittern die Gunst der Stunde und wollen bei einem Stellenwechsel für denselben Job deutlich mehr verdienen. Rekrutiererinnen und Rekrutierer sind wahrlich nicht zu beneiden. Sie müssen rasch die richtigen Personen finden, ihnen ein attraktives Lohnangebot machen, das zudem ins interne Lohngefüge passt. Und sie müssen versuchen, die internen Mitarbeitenden im Unternehmen zu halten. Keine einfache Aufgabe!

Gründe für eine Lohnerhöhung 

Eine Lohnerhöhung kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen: 

  • Leistungsanerkennung: Mitarbeitende leisten eine überdurchschnittliche Arbeit oder haben zusätzliche Verantwortung übernommen.
  • Inflationsausgleich: Die Löhne werden an die steigende Lebenshaltungskosten angepasst, um die Kaufkraft zu erhalten.*
  • Marktanpassung: Wenn der Spiegel der Gehälter insgesamt oder innerhalb einer Branche steigt.
  • Anerkennung bei langer Betriebszugehörigkeit: Einige Unternehmen erhöhen die Gehälter, wenn Mitarbeitende einige Jahre für das Unternehmen tätig sind.
  • Veränderung des Profils: Wenn Mitarbeitende eine Zusatzqualifikation (z.B. eine abgeschlossene Ausbildung) aufweisen. 

* Der Schweizer Lohnindex gibt an, wie sich die Löhne entwickeln. Dadurch lässt sich der Teuerungsausgleich feststellen. 

Wann ist eine Lohnerhöhung sinnvoll?

Für Arbeitgeber stellt sich zunächst die Frage, wann eine Lohnerhöhung sinnvoll ist. Die finanzielle Lage des Unternehmens ist dabei ein zentraler Faktor, denn eine Gehaltsanpassung sollte wirtschaftlich tragbar sein. Gleichzeitig muss geprüft werden, wie sich die Gehälter im Marktumfeld entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die individuelle Leistung des Mitarbeitenden spielt eine entscheidende Rolle – hat er/sie in letzter Zeit aussergewöhnliche Erfolge erzielt oder mehr Verantwortung übernommen? Zudem sollten Arbeitgeber regelmässig die Zufriedenheit ihrer Mitarbeitenden evaluieren, da fehlende Gehaltserhöhungen schnell zu Frustration oder gar Kündigungen führen können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, da in manchen Branchen automatische Lohnanpassungen vorgeschrieben sind.

Vorgehen

Um strukturiert und fair mit Lohnerhöhungen umzugehen, sollten Unternehmen klare Gehaltsstrukturen definieren, die für alle Mitarbeitende nachvollziehbar sind. Eine systematische Vorgehensweise sorgt dafür, dass Gehaltserhöhungen nicht willkürlich oder auf subjektiven Einschätzungen basieren, sondern nach festgelegten Kriterien vergeben werden. Dazu gehört eine transparente Gehaltspolitik, die folgende Elemente umfasst:

  • Definierte Gehaltsbänder
    Unternehmen können für jede Position oder Berufsgruppe Gehaltsbänder festlegen, die eine Mindest- und eine Maximalvergütung definieren. Diese sollten regelmässig mit branchenüblichen Gehältern abgeglichen und angepasst werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gehaltsbänder stellen sicher, dass Mitarbeitende mit ähnlicher Qualifikation und Erfahrung gerecht entlohnt werden und verhindern unerwartete Diskrepanzen zwischen vergleichbaren Positionen.
  • Kriterien für Lohnerhöhungen
    Unternehmen sollten klare Kriterien festlegen, die eine Gehaltserhöhung rechtfertigen. Mögliche Kriterien sind wurden bereits weiter oben erwähnt.
  • Transparente Kommunikation
    Eine offene Kommunikation der Gehaltsstrukturen sorgt für Vertrauen und reduziert Unsicherheiten. Unternehmen können z. B. in Mitarbeiterhandbüchern oder im Intranet klar darlegen, nach welchen Prinzipien Gehaltserhöhungen vergeben werden. Zudem können Vorgesetzte in regelmässigen Mitarbeitergesprächen erläutern, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gibt und unter welchen Bedingungen Gehaltsanpassungen realistisch sind.
  • Alternative Vergütungsmodelle als Ergänzung zur Gehaltserhöhung
    Falls eine direkte Gehaltserhöhung nicht möglich ist – sei es aufgrund finanzieller Engpässe oder anderer Unternehmensprioritäten – können alternative Vergütungen eine Lösung sein. Dazu gehören:
    • Leistungsabhängige Boni: Statt einer dauerhaften Erhöhung erhalten Mitarbeitende eine einmalige Sonderzahlung für herausragende Erfolge.
    • Sachleistungen: Firmenwagen, Jobtickets, Essenszuschüsse oder moderne technische Ausstattung (z. B. Laptop, Smartphone).
    • Weiterbildungen und Karriereentwicklung: Unternehmen können Schulungen, Fortbildungen oder Coaching-Angebote finanzieren, um den Mitarbeitenden langfristig bessere Karrierechancen zu ermöglichen.
    • Sozialversicherungen: überobligatorische Lohnfortzahlung (z.B. 100% bei Mutterschaft), verbesserte Pensionskassenleistungen, verbesserte Versicherungsleistungen (Krankentaggeld, Unfallversicherungen usw.)

Ein weiteres zentrales Element ist die Entwicklung eines strukturierten Bewertungsmodells, das definiert, unter welchen Bedingungen eine Gehaltserhöhung gerechtfertigt ist. Hierbei können sowohl individuelle als auch unternehmensweite Faktoren berücksichtigt werden,

Tipps für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung

  • Vorbereitung ist wichtig: Zahlen, Daten, Fakten sammeln, die eine Erhöhung rechtfertigen (z. B. gesteigerte Produktivität, Vergleichswerte aus der Branche).
  • Realistische Forderungen stellen: Eine zu hohe Forderung kann abschreckend wirken, eine zu niedrige ist verschenktes Potenzial. Ein Anstieg von 5–10 % ist oft realistisch.

Fazit zum Thema Lohnerhöhung 

Eine Lohnerhöhung erfordert eine strategische Planung (auf Arbeitgeber-und  Arbeitnehmerseite). Während Unternehmen faire und nachhaltige Erhöhungen bieten sollten, müssen Mitarbeitende mit einer guten Vorbereitung und starken Argumenten in die Verhandlung gehen. Wer professionell vorgeht, kann eine Win-Win-Situation schaffen und langfristig den eigenen Marktwert steigern.

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